Die Geschichte der Jahn-Bronzeplastik
Alt-Fechenheim 112

Als Ergänzung zu dem mainkur:ier-Monatsquiz im August möchte ich auf die Vorgeschichte dieser Bronzeplastik eingehen und erzählen, warum sie an dieser Stelle eingebracht wurde.

Das Jahn-Denkmal von 1910

Jeder Turnverein um 1900, der etwas auf sich hielt, hatte eine Jahn-Büste, Fechenheim aber ein Denkmal. Das 1910 am 3. Juli im Jugendstil eingeweihte Muschelkalkdenkmal mit der Büste Turnvater Jahns war das einzige in seiner Art im Frankfurter Raum. Entworfen und gefertigt wurde es von dem Fechenheimer Maler und Bildhauer Wilhelm Kurz. Die Finanzierung erfolgte durch Spenden der Fechenheimer Bevölkerung. Es wurde anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Turnerbundes Maingau verbunden mit dem 41. Gauturnfest, dem 50-jährigen Jubiläum des Turnvereins 1860, dem 25-jährigen des Turnvereins "Vorwärts" sowie des 10-jährigen der Turngemeinde Fechenheim auf dem Vorplatz der evangelischen Gemeindeschule Alt-Fechenheim 112 (heute Kita) errichtet.

Diese Schule wurde 1848 durch Bürgermeister Heinrich Löhnung erbaut und am
19. Juli 1849 eingeweiht. Zur Einweihung des Jahndenkmals wurde sie in Jahnschule umbenannt.  Das Denkmal hängt eng mit der Turnerbewegung in Fechenheim zusammen, die eine zentrale Bedeutung für die ganze Umgebung hatte.

Die Turnerbewegung in Fechenheim ab 1840

Von 1840 an hatten bereits im damaligen Hotel “Zur Mainkur”, heute der Cassella-Parkplatz, Turnerversammlungen stattgefunden, denn die Mainkur war von Hanau, Frankfurt und Mainz mit dem Dampfboot und seit 1847 mit der Eisenbahn bequem zu erreichen. Der Turnergruß „Gut Heil“ und das Feldbergfest wurden hier in Fechenheim ins Leben gerufen. In dieser Zeit wohnte Jahn in Alt-Fechenheim Nr. 101, einem Fachwerkhaus, das niedergelegt wurde. Es entstand an dieser Stelle um 1900 ein großes Wohnhaus mit der Gaststätte “Zum Adler”. Am 3. Juli 1950 eröffnete dort die “Rathaus-Apotheke”, ab 2003 “Sportwetten”, ab 2014 ein Friseursalon.

Rechtes Gebäude: Hotel zur Mainkur. Ab 1897 Hospital zum Heiligen Geist. Anfang der 50er Jahre wurde das Cassella gehörende Areal mit dem dahinterliegenden Hofgut Knoll abgerissen und es entstand ein großer Parkplatz

1848 nach der Revolution weihte Turnvater Jahn die erste Turnerfahne von Fechenheim.
Da sich die Turner politisch sehr engagierten, wurden diese verfolgt und die Turnerbewegungen verboten. Die Fechenheimer Turner mussten ihre Fahne bei Nacht und Nebel ins Ausland nach Bürgel bringen, um diese vor dem Zugriff der Obrigkeit zu schützen. Nachdem sich alles wieder beruhigt hatte, fand am 20. August 1860 die Neugründung des Turnvereins 1860 im Gasthaus “Zum Schwan” in Alt-Fechenheim 123 statt und die Fahne wurde aus den Versteck geholt.

Zerstörung des Denkmals im 2. Weltkrieg

Am 2. März 1944 wurde das Jahndenkmal durch eine Luftmine zerstört und nicht mehr aufgebaut denn nach dem Krieg 1945 hatten die Leute andere Sorgen und es geriet mit der Zeit in Vergessenheit. Die Steine liegen heute noch im Hof der Kita, direkt hinter dem Zaun. Kaum jemand weiß heute noch, woher sie stammen. Der Kopf der Büste soll noch gegenüber vor dem Haus gelegen haben, so berichteten alte Fechenheimer, aber wo dieser abgeblieben ist, bleibt bis heute im Dunkeln.

Zerstörung der Bäckerei Göller (Alt-Fechenheim 114 nach einem Angriff Anfang 1944. Da war das Denkmal noch unbeschädigt.
Die Bronzeplastik, die sich an dem Denkmal befand und Beschädigungen der Sprengbomben aufweist, kam auf Umwegen in die Turnhalle an der Pfortenstraße. Sie hing dort bis zur Renovierung. 2013 wurde sie demontiert und dem Heimat- und Geschichtsverein Fechenheim übereignet.

Erneutes Gedenken ab 2014

Nachdem beschlossen wurde, den Platz Alt-Fechenheim 112 vor der Kita neu zu gestalten, wurden die Fechenheimer aufgerufen Vorschläge zu machen. Ich hatte die Idee, dort wieder ein Denkmal von Turnvater Jahn zu errichten, da dieser sehr viel für die Deutsche Turnerbewegung und die Fechenheimer Turner getan hatte.
Der Heimat- u. Geschichteverein hatte noch einige alte Bilder von diesem Denkmal und legte diese der Kommission vor. Letztendlich wurde mein Vorschlag angenommen und entschieden, dass eine Bronzeplastik gefertigt werden soll. Ich bekam den Auftrag, den Entwurf für die Bronzeplatte zu fertigen und alle damit verbundenen Arbeiten zu organisieren. Die Bronzeplatte wurde von der Bronzebild-Gießerei Noack in Leipzig gefertigt.

Der neu gestaltete Platz Alt-Fechenheim 112 wurde am Dienstag, den 15. Juli 2014 eingeweiht. Auf den Monat genau vor 104 Jahren wurde das Jahn-Denkmal enthüllt und
70 Jahre nach seiner Zerstörung eine Bronzeplastik zur Erinnerung, fast an gleicher Stelle, in den Boden eingebracht. Die Montage der Bronzeplastik erfolgte durch die Firma Schugar Natursteine

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