Dachbodenfund: 51 Jahre auf dem Trockenen

Krempel, Kram und Kaputtes landet zumeist im Keller oder auf dem Dachboden. Jedes Stück, was dorthin geschafft wird, hat vermeintlich noch eine Zukunft.

— „Wenn ich Zeit habe, repariere ich es.“ — „Das heben wir für die Kinder auf.“ — „Es ist zum Wegwerfen zu schade, wir finden dafür noch eine Verwendung.“ — „Beim nächsten Sperrmüll stelle ich es raus.“ —

Sedimentschichten aus Gebrauchsgegenständen und Erinnerungen zusammen mit Staub und Spinnweben.

Wir haben unseren Dachboden ausgeräumt, weil das Dach neu gedeckt wurde. Für eine bessere Dämmung wurden die Drempelwände entfernt, die Dachschräge war also bis in den spitzen Winkel zu sehen. Dabei kam zum Vorschein, was Vorbesitzer dort verstaut hatten. Ein sehr schöner Holzstuhl mit kaputter geflochtener Sitzfläche und ein Haufen merkwürdig geformter Bretter und Stangen. Manche geklappt, andere geschwungen, die meisten versehen mit Metallscharnieren und -haken.

Ein altes hölzernes Faltboot!

Wir riefen unsere Vorbesitzer an, um zu fragen, ob sie ihr Boot vermissen würden. Nein, ein Boot hätten sie nie besessen – das Haus hatten sie 1971 gekauft. Also hatte das Faltboot seit mindestens 51 Jahre kein Wasser unter dem Kiel gehabt und lag vergessen und unbemerkt auf dem Dachboden.

Ein wenig Recherche im Internet führte mich zu einem Faltboot-Forum. Schnell fanden sich hier Kenner und Enthusiasten, die mir anhand der Fotos mitteilen konnten, um was für ein Boot es sich handeln dürfte: Den Zweier-Wanderer T5 oder T6 der Firma Klepper, gebaut in der Vorkriegszeit. Die ebenfalls vorhandene, wenngleich sehr poröse Haut des Boots ließe sich gut als Vorlage für eine neue nehmen. Mit einer guten Industrienähmaschine und ein wenig Geschick sei das keine große Herausforderung, wurde mir versichert.

Faltbootfahren war in den 1930er-Jahren schwer in Mode und noch bis in die 1970er-Jahre sehr beliebt. Die Boote ließen sich leicht transportieren und waren schnell aufgebaut. Auch heute sind noch Faltboote unterwegs – ich hoffe daher sehr, dass das hölzerne Faltboot eine Zukunft hat und sich jemand findet, der Lust hat, das Boot wieder flott zu machen!

Wer Interesse an dem Boot hat, kann sich gerne an den Mainkur:ier wenden.

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